Licher BasketBären-Weißenhorn Youngstars 74:72 (37:39)

Simon Kutzschmar verwandelt die Dietrich Bonhoeffer-Halle in ein Tollhaus

 

Als wenige Sekunden vor dem Ende der ProB-Partie zwischen den Licher BasketBären und den Weißenhorn Youngstars die Gastgeber sich den Rebound sicherten und noch 13 Sekunden zu spielen waren, standen die Zuschauer in der Dietrich-Bonhoeffer-Halle längst wie der sprichwörtliche sechste Mann hinter der Mannschaft von Trainer Joan Rallo Fernandez. Diese sahen, wie der Ball bei einem 71:72-Rückstand in die Hände von Simon Kutzschmar gelangte, der bis dato das Wurfglück an diesem Abend nicht gerade gepachtet hatte. Dennoch nahm sich der Jugendnationalspieler ein Herz und stieg aus halblinker Position und jenseits der 6,75 Meter-Linie mit noch gut zwei Sekunden auf der Spieluhr zum Wurf hoch.

 

Kurzzeitig wurde es mucksmäuschenstill in der Halle, ehe Sekundenbruchteile später das Spielgerät das Netz der Weißenhorner Reuse zum 74:72 küsste und sich die Dietrich-Bonhoeffer-Halle endgültig in ein Tollhaus verwandelte. Als schließlich auch der letzte Angriff der Gäste nichts mehr einbrachte, kannte der Jubel im Licher Lager keine Grenzen mehr und das Team um Kapitän Viktor Klassen, der mit einem Kurzeinsatz sein Comeback gab, feierte ausgelassen den ersten Heimsieg seit dem Saisonauftakt gegen die FRAPORT Skyliners Juniors.

 

Zuvor glich das Spiel der BasketBären einmal mehr einer Achterbahnfahrt. Der Start in der Partie gelang den Wetterstädtern formidabel. Nil Angelats und Max Mayer vollstreckten zielsicher aus der Distanz und Marian Schick setzte sich gekonnt am Brett durch, sodass es rasch 14:4 für die Hausherren stand. Als auch noch Center Schick zum Scharfschützen wurde, stand es gar 17:5 für das Rallo Fernandez-Ensemble. Weißenhorn kam jedoch nun etwas besser in die Gänge und verkürzte mit der letzten Aktion des ersten Viertels auf 17:25.

Im zweiten Viertel war es ein umkämpftes Spiel auf Augenhöhe, doch die Licher ließen sich die Führung nicht entreißen. Auch einen Monsterblock an Alen Pjanic steckten die BasketBären mühelos weg. Vor allem der gewohnt umtriebige Elijah Allen hatte erheblichen Anteil daran, dass die Gastgeber mit 37:31 in Front lagen. Weißenhorn hatte jedoch, wie schon im ersten Viertel, den letzten Punch und verkürzte durch Routinier Nils Mittmann auf 37:39.

 

Nach dem Seitenwechsel verschob sich das Match immer mehr in Richtung der Gäste, die die Führung übernahmen. Weißenhorn agierte treffsicherer und überlegter als die Bierstädter, denen das Handgelenk nun zitterte – sei es beim Passen oder beim Werfen. Ex-Bundesligaprofi Mittmann vollstreckte zweimal von der Dreierlinie, während auf der Gegenseite Mayer beim Distanzwurf humorlos geblockt wurde. Vor dem letzten Viertel führten die Youngstars plötzlich mit 63:55. Auch zu Beginn des Schlussabschnitts schien es so, als könnten die BasketBären das Blatt nicht mehr wenden.

 

Spätestens als der gut aufspielende Nil Angelats nach einem harten Fight um den Ball mit einer Armverletzung vom Feld musste, sanken die Chancen der Hausherren rapide. Doch irgendwie schien durch die Verletzung ihres Spielmachers ein Ruck durch die Licher gegangen zu sein. Defensiv packte man wieder beherzter zu und im Angriff suchte man den harten Weg zum Brett. So verkürzte Moritz Overdick auf 63:67, ehe Lamar Mallory im Fastbreak eine rüde Kollision in der Luft mit Björn Rohwer zu verkraften hatte. Doch der Forward schüttelte sich kurz und versenkte beide Freiwürfe zum 65:67. Schließlich kehrte Angelats unter dem Jubel der Zuschauer zurück aufs Feld und legte direkt mustergültig für Allen auf, der auf 69:70 verkürzte. Die Spannung spitzte sich zu, es hielt keinen mehr auf den Sitzen, auch wenn Weißenhorn durch Joschka Ferner wieder auf 72:69 stellte. Doch dann schlugen die Sekunden von Kutzschmar, der erst an der Freiwurflinie keine Nerven zeigte (71:72), ehe er den Ball von seinem Playmaker Angelats in halblinker Position bekam und zum Wurf hochstieg…

 

Joan Rallo Fernandez: „Wir alle haben diesen Sieg sehr verdient, denn endlich hat sich die harte Arbeit ausgezahlt. Wir hatten oft Spiele, die für uns unfair ausgegangen sind, gerade auch zu Hause. Dafür ist es umso schöner, dass bei einem erneut knappen Spiel dieses Mal unser letzter Wurf das Ziel gefunden hat. Hut ab vor Simon, das war ganz stark.

Ich bin sehr glücklich. Meine Spieler haben sich durch nichts beeindrucken lassen, auch wenn es teilweise auf die Mütze in diesem harten Spiel gab. Sie kamen immer wieder zurück und haben Cojones gezeigt, wie man bei uns in Spanien sagt. Ich bin sehr stolz auf jeden einzelnen.“

 

Licher BasketBären: Angelats (14, 5 Assists), Allen (17), Schick (13), Overdick (2), Mayer (5), Mallory (14), Kutzschmar (7), Dörr (2), Kovalev, Pjanic, Klassen, Zimmer

                                                                                             

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